Fit genug für den ersten Arbeitsmarkt

ULM - Andreas Hartmann kann seine rechte Hand nicht richtig benutzen und zieht das rechte Bein hinterher. Das ist alles. Dennoch hat Andreas eine Sonderschule für Körperbehinderte besucht. Chancen auf eine reguläre Berufsausbildung hätte er kaum gehabt, wenn er nicht zufällig an den Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) geraten wäre.

Von unserer Mitarbeiterin Angela Fehr

Hydrocephalus heißt die Erkrankung an der Andreas leidet. Die Gehirnkammerflüssigkeit fließt nicht richtig ab, dagegen nimmt er Medikamente. Fehlzeiten hat der 19-jährige deshalb nicht. "Andreas war bisher nur einmal krank", sagt Ausbildungsleiter Ralf Kinzler. Dass der ASB seine Ausbildungsplätze an Behinderte vergibt, hatte Andreas zufällig durch einen Zeitungsartikel erfahren. Jetzt ist er im zweiten Lehrjahr als Bürokaufmann.

Die Weichen waren schon Richtung Berufsbildungswerk (BBW) gestellt. "Man hat wenig Chancen, etwas anderes zu machen. Auch meine Lehrer im Körperbehindertenzentrum Weingarten haben gemeint, ob ich nicht doch lieber ins BBW gehen wolle", erzählt der Unterelchinger. Das Körperbehindertenzentrum besuchte Andreas Hartmann ab der siebten Klasse. Zuvor ging er auf er eine Langenauer Realschule. Dort, meint er, sei man mit seiner Behinderung nicht klar gekommen.

In der Schiene "Sonderschule, BBW und anschließend Arbeitslosigkeit, vorzeitige Berentung oder Behindertenwerkstatt" wollte Andreas Hartmann nicht bleiben. "Ich hab immer gedacht, ich muss schauen, dass ich rauskomme." Er hatte Glück, mehr als sogenannte normale Schulabgänger. Die erste Bewerbung bei den "Samaritern" brachte den Erfolg. Etwas länger dauerte es, die bürokratischen Hindernisse zu nehmen. Kostenanträge brauchen ihre Zeit.

Die Ausbildung macht Andreas Spaß und sein einziges Hilfsmittel ist eine Linkshändertastatur. Er hofft, dass er seine Fähigkeiten später nutzen kann. Der ASB bildet über Bedarf aus, kann nicht alle Azubis übernehmen. Ralf Kinzler sieht eine Lehre aber als großes Plus. "Viele Betriebe sagen, einen ausgebildeten Behinderten würden sie schon nehmen." Dabei ist Andreas sowieso minimal behindert. "Jeder andere Arbeitgeber könnte ihn auch ausbilden", sagt Kinzler.

Dass Andreas in anderen Betrieben keine Chance gehabt hätte, kann man nicht sagen. Er hatte mit seiner ersten Bewerbung sofort Glück. Durch den Besuch einer Sonderschule waren die Weichen aber bereits Richtung BBW gestellt. Andreas ist der Absprung noch gelungen, und sein Ausbildungsleiter sagt: "Ein Mitglied der Sportschützen-Nationalmannschaft hat auch nicht jeder als Azubi." Andreas Hartmann, so scheint es, trifft also öfter mal ins Schwarze.} Betriebliche Ausbildung

Der ASB bildet seit 1995 ausschließlich Behinderte am ersten Arbeitsmarkt als Bürokaufleute aus. Bewerben können sich nicht nur Körperhinderte - auch schwer Körperbehinderte - sondern etwa auch psychisch behinderte Menschen oder Gehörlose.