Artikel vom Samstag 07.04.2007 aus SÜDWEST AKTIV

SOZIALES / ASB Ulm und Dornstadter Institut beleben Ausbildung neu
Sprungbrett für Pflege

Erster Lehrgang startet im Mai - Perspektive für Hauptschüler

Der ASB Ulm und das Diakonische Institut in Dornstadt beleben einen Beruf, der schon ausgestorben war: Der "Heilerziehungspflege-Helfer" soll Hauptschülern eine Perspektive bieten. Einsatzgebiet ist die Betreuung von Körperbehinderten. Im Mai startet der erste Lehrgang.
SUSANNE HELIOSCH

Die beruflichen Aussichten für Andreas Scholz sahen schlecht aus. Der heute 25-Jährige brach in der zehnten Klasse das Gymnasium ab, ließ auch die Mittlere Reife sausen. Er hätte gern als Erzieher gearbeitet, das wurde ihm während eines einjährigen Praktikums im Kindergarten bewusst. Doch der junge Mann musste erkennen, dass er mit dem Hauptschulabschluss keine Chance hat. Hier ein Job, dort ein Job - so hielt sich Scholz über Wasser. Dann leistete er seinen Zivildienst in einem Krankenhaus, und ihm wurde klar, dass er gerne auf der "sozialen Schiene" weitermachen würde.

Unterstützung fand er beim ASB - in Form eines Praktikums. Seit 2006 assistiert Andreas Scholz nun einem schwer körperbehinderten Azubi am Arbeitsplatz und in der Berufsschule. Er übernimmt all die Tätigkeiten, die der Schwerstbehinderte nicht ausführen kann: Das Telefon ans Ohr halten, Unterlagen abheften, Daten in den PC einspeisen.

Wie Andreas Scholz arbeiten derzeit beim ASB Ulm rund 150 Praktikanten in der individuellen Assistenz für Schwerstbehinderte. Oft sind es junge Menschen, deren schulische Bildung verhindert, dass sie sich in einem Pflegeberuf ausbilden lassen können. "Immer wieder melden sich beim ASB junge Leute, die gerne im pflegerischen und sozialen Bereich arbeiten würden, aber nicht die schulische Voraussetzung dafür mitbringen", sagt Christina Bochtler-Ackermann. Für die Leiterin der Freiwilligenagentur beim ASB war dies ein wichtiger Grund, den Beruf des Heilerziehungspflege-Helfers (Hep-Helfer) wieder einzurichten. "Diesen Menschen wollen wir mit der Hep-Ausbildung eine Perspektive bieten."

Einen Partner fand der ASB in Dornstadt beim Diakonischen Institut für Soziale Berufe. Hier wurden die Lerninhalte erarbeitet und festgelegt. "Wir haben Ausbildungsplätze für 25 Azubis geschaffen", berichtet Schulleiter Reinhardt Schlüter. Jedem Teilnehmer stehe ein Mentor zur Seite, je ein Lehrer sei für vier bis sechs Schüler zuständig.

Die staatlich anerkannte Ausbildung zum Hep-Helfer dauert zwei Jahre und ist zum Hauptschulabschluss eine gute Ergänzung. Einen Tag in der Woche besuchen die Azubis im Diakonischen Institut in Dornstadt den theoretischen Unterricht. Die restlichen Wochentage arbeiten sie in der Schwerstbehinderten-Betreuung. Mit einer schriftlichen und mündlichen Prüfung ist das erste Ausbildungsjahr abgeschlossen. Danach folgt das Anerkennungsjahr. "Wer die Ausbildung zum Hep-Helfer erfolgreich beendet hat, erfüllt auch gleichzeitig die Zugangsvoraussetzung für die dreijährige Ausbildung zum Heilerzieher", erläutert Schlüter. So ist die wiederbelebte Berufsausbildung zudem eine Art Sprungbrett für eine qualifiziertere Tätigkeit.

Voraussetzung für die Hep-Helfer-Ausbildung ist neben dem Hauptschulabschluss eine dreijährige praktische Tätigkeit. Dabei werden Maßnahmen wie das Berufsvorbereitungsjahr oder andere Qualifizierungsmaßnahmen angerechnet. "Außerdem können Fehlzeiten auch durch eine Tätigkeit beim ASB aufgefüllt werden", macht Christina Bochtler-Ackermann Mut. Für Andreas Scholz steht auf jeden Fall fest: Er beginnt im Mai mit der Ausbildung zum Hep-Helfer.

INFO

Der erste Ausbildungsgang zum/zur Hep-Helfer/in startet am 2. Mai. Bewerbungen sind noch beim ASB Ulm möglich. Weitere Infos unter Tel. (0731) 93 77 11 83.