Südwest-Presse

29. November 2003

 

Vereine / ASB auch innovativ in Sachen Einsatzfahrzeuge – zweijährige Ausbildung von Sanitätern

 

Vorbildliches Rettungssystem entwickelt

 

In den 30 Jahren, seit der Rettungsdienst  des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) Ulm besteht, wurde ein beispielhaftes Rettungssystem aufgebaut. Neue Entwicklungen in der Medizin-, Kommunikations- und Fahrzeugtechnik wurden stets optimal genutzt.

 

Zu verdanken ist das der guten Zusammenarbeit der Rettungsdienste mit der Universität Ulm, wie Dagobert Wagner betont. Der 2. ASB-Vorsitzende ist seit 40 Jahren im ASB Ulm und auf Landesebene aktiv und hat die Anfänge des ASB-Rettungsdienstes miterlebt.

Damals war es üblich, die Verletzten ohne besondere Maßnahmen im Krankenwagen in die Klinik zu fahren. Das wurde manchen zum Verhängnis, immer wieder starben Patienten auf dem Weg ins Krankenhaus. Heute hingegen wird der verunglückte oder Kranke vor Ort versorgt, bis sein Zustand so stabil ist, dass er den Transport übersteht.

Gemeinsam mit Ärzten von der Uni, besonders dem Anästhesisten Professor Ahnefeld, entwickelten die Rettungsdienste ein vorbildliches System. ASB-Rettungsdienstleiter Helmut Karpstein spricht in diesem Zusammenhang von der „Ulmer Schule“ im Notarzt- und Rettungsdienst, der auch von der Nähe der Bundeswehr profitiert habe.

Bereits seit 1974 betrieben ASB und DRK eine gemeinsame Rettungsleitstelle und haben sich das Zuständigkeitsgebiet so aufgeteilt, dass die Helfer möglichst schnell am Einsatzort eintreffen. „Der Zeitfaktor hat oberste Priorität“, erklärt Wagner. Der Notarzt kommt von der Uniklinik im eigenen Fahrzeug zum Patienten und begegnet hier den Helfern vom Rettungsdienst. Dieses „Rendezvous-System“, so Wagner, habe sich bewährt.

Bewährt hat sich auch das Spezialfahrzeug, das findige Fachleute beim ASB entwickelt haben. Rettungswachenleiter Holger Bux übernahm eine Idee aus den USA: Warum, so fragte er sich muss der ganze Rettungswagen ausgetauscht werden, wenn das Fahrgestell verschlissen ist? Er konstruierte einen abnehmbaren Container.

1996 nahm der ASB das erste Kofferfahrzeug in Betrieb, vor kurzen wurde erstmals ein gebrauchtes Oberteil auf einen neuen Untersatz umgesetzt – mit Erfolg. Das Auswechseln ist nicht der einzige Clou dieses Aufbaus. Wagner schwärmt vor allem deshalb von ihm, weil sämtliche Hilfsmittel – vom Sauerstoff – übers EKG-Gerät bis hin zu den Medikamenten – sowohl von innen als auch von außen zugänglich sind. „Man muss also nicht mehr ins Fahrzeug kriechen, wenn man etwas braucht. Das spart eine Menge Zeit.“

Und die ist kostbar.
Bei Herzinfarkt und Schlaganfall zählt jede Minute. Die internistischen Notfälle machen immerhin 70 bis 80 Prozent der Einsätze aus – Tendenz steigend. Dagegen ist das Einzugsgebiet, was den Verkehr angeht, „eher ein ruhiges Eck“, sagt Holger Bux.

Die Sanitäter, die den Patienten vor Ort versorgen, müssen gut geschult sein. So dauert die Ausbildung heute 560 Stunden. Der Rettungsassistent absolviert eine anerkannte zweijährige Berufsausbildung. Schließlich ist auch die Qualifikation der Helfer Voraussetzung dafür, dass Notfall-Patienten heute fas zu 100 Prozent gefahrlos in die Klinik transportiert werden können. Seit 2003 kann man ein Freiwilliges Soziales Jahr im Krankentransport absolvierten, das bei entsprechender Eignung als Einstieg in die Ausbildung zum Rettungsassistenten dient.

Der ASB Ulm bietet jedoch nicht nur im Krankentransport und Rettungsdienst, sondern auch im sozialen und pflegerischen Bereich fachlich kompetente und engagierte Hilfe. Nächstes Jahr kommen in der Ulmer Weststadt ein ASB-Pflegeheim und betreute Seniorenwohnungen hinzu. „Diese vielfältigen Angebote im Sinne unserer Patienten und Kunden zu vernetzen, ist eine unserer zentralen Aufgaben“, sagt die ASB-Vorsitzende Mattheis.