Angespannte Lage auf dem Ausbildungsmarkt: Nachfrage beim Freiwilligen Sozialen Jahr steigt
Von unserem Redaktionsmitglied Saskia Stüven-Kazi
Ulm
Gut gelaunt schenkt Brigita Juvancic der alten Dame ein Tasse Kaffee ein. Klar, dass da auch ein Späßchen nicht fehlen darf. Denn es gibt den 84. Geburtstag von Hildegard Meiszies zu feiern und das ist schließlich ein fröhlicher Anlass. Die 19-Jährige absolviert seit fünf Monaten beim Ulmer Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) ein Freiwilliges Soziales Jahr. Die Ausbildungsplätze in Ulm sind derzeit rar. Viele junge Menschen nutzen deshalb das auch Angebot, um Wartezeiten sinnvoll zu überbrücken.
Auch sie sind ein Baustein, der das soziale System aufrecht erhält: die jungen Menschen, die das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ) absolvieren. In Ulm bietet neben dem Internationalen Bund, einem freien Träger der Jugend-, Sozial- und Bildungsarbeit, auch der ASB das Bildungsjahr an. "Wir sehen dieses Angebot auch als Alternative zur Jugendarbeitslosigkeit an", betont Anke Müller, Referentin der Freiwilligenagentur beim ASB.
Derzeit seien die Ausbildungsplätze in Ulm sehr rar, so könnten Wartezeiten auch sinnvoll überbrückt werden. Gleichzeitig wolle man auch eine Orientierungshilfe geben. "Denn viele junge Menschen wissen nach der Schule oftmals nicht, wohin sie ihre berufliche Laufbahn führen könnte", sagt Hilde Mattheis, 1. Vorsitzende des ASB Ulm. Außerdem erhöhe das FSJ die Chancen bei einer Bewerbung. Denn bei vielen Arbeitgebern hat das Freiwillige Soziale Jahr inzwischen eine hohe Akzeptanz und Anerkennung, da es auch die soziale Kompetenz der jungen Menschen fördere.
Pro Jahr bietet der ASB rund 45 Plätze in den verschiedensten Tätigkeitsfeldern an, sei es in der Altenpflege, im Betreuten Wohnen, bei der Behindertenhilfe oder ganz neu mit entsprechender
Vorbildung auch im Rettungsdienst. Derzeit sind noch fünf Plätze zu besetzen. Normalerweise beginnt das FSJ zum September. "Aber auch Quereinstiege sind möglich", so Anke Müller. Für ihr Engagement bekommen die "FSJler" ein Taschengeld, sowie Verpflegungs- und Kleidungsgeld. Die Bezahlung ist aber von Träger zu Träger unterschiedlich.
Eine von den "Neulingen", die zum September beginnen, ist Renate Kast. "Ich möchte später auch im sozialen Bereich arbeiten, deshalb ist das hier eine gute Chance, mal zu sehen, ob mir das überhaupt liegt", sagt die 18-Jährige. Auch die 25-jährige Heidi Hinkelmann fühlte sich durch das Jahr bestätigt, ihren Berufsweg im sozialen Bereich zu suchen. "Auch wenn es anfangs manchmal ziemlich hart war." Aber die eigenen Grenzen kennen zu lernen, das gehöre eben auch dazu.
Der Internationale Bund (IB) bietet das FSJ seit 15 Jahren in Ulm an. Die Nachfrage sei groß, so Brigitte Hertlein, die auch Sprecherin des FSJ-Arbeitskreises Baden-Württemberg ist. Jedes Jahr vermittelt der IB rund 140 junge Menschen an Träger, mit denen er Verträge abgeschlossen hat. Dazu zählen beispielsweise das Uni-Klinikum, die Stadt Ulm oder Behinderteneinrichtungen. "Es gibt einen richtigen Boom", sagt Hertlein, die das wie ihre Kollegen vom ASB ebenfalls auf die angespannte Lage auf dem Ausbildungsmarkt zurückführt. "Viele wollen nach der ganzen Paukerei in der Schule aber auch erstmal was Praktisches tun." www.
Darf's noch ein Tässchen mehr sein? Brigita Juvancic absolviert beim Arbeiter-Samariter-Bund ein Freiwilliges Soziales Jahr und arbeitet in der Seniorenbetreuung.