Quelle: Schwäbische Zeitung
20.August 2003

Freiwilliges Soziales Jahr beim ASB

Weil Zivis fehlen, sind Freiwillige gefragt

Ulm(fr)- 1999 hatten junge Leute beim Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) zum ersten Mal die Möglichkeit, ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) zu absolvieren. Heute könnte der ASB ohne Freiwilligen seine Dienste kaum aufrechterhalten. Für Schulabgänger bietet das Jahr Überbrückung bis zum Ausbildungsbeginn und Orientierung.

„Ich wusste nicht, was ich machen sollte.“ Heidi Hinkelmann erinnert sich an die Zeit nach dem Fachabitur zurück. Die Ulmerin wollte Sozialpädagogik studieren, doch ihre Abschlussnoten reichten nicht aus. In einer Zeitungsannonce erfuhr sie vom Freiwilligen Sozialen Jahr beim ASB. Auch hier bekam sie zunächst keinen Platz, machte stattdessen ein Praktikum. „Das hat mir so gut gefallen, dass ich auch noch ein FSJ gemacht habe.“ Zwölf Monate lang war Hinkelmann in der Behindertenbetreuung tätig. „Es war schon hart am Anfang. Ich hatte noch nie etwas mit Behinderten zu tun gehabt. Aber man lebt sich schon ein.“

Die Behindertenhilfe ist eines der Felder, in denen Freiwillige beim ASB arbeiten. Andere sind die Altenpflege, der hauswirtschaftliche Dienst und die Kinder- und Jugendhilfe. Erstmals ab September können fünf  FSJler auch im Rettungsdienst arbeiten.

1999 richtete der ASB 20 FSJ-Plätze ein, heute sind es mehr als 40, weiter sollten hinzukommen. Die Freiwilligen braucht der ASB dringend. Seitdem immer weniger Wehrdienstpflichtige eingezogen werden, sinkt die Zahl der Zivildienstleistenden. „Die

Zahlen sind nicht so, dass wir uns nicht anders orientieren müssten“, sagt Hilde Mattheis, erste Vorsitzende des Regionalverbandes Ulm. So ist man froh, dass die Nachfrage nach dem FSJ gestiegen ist. Die Gründe sieht Mattheis in einer Gesetzesänderung im vergangenen Jahr, nach der jetzt auch unter 18-Jährige ein Freiwilliges Soziales Jahr absolvieren können und im Mangel an Ausbildungsplätzen.

Das FSJ soll nicht nur eine Alternative zum Ausbildungsplatz, sondern auch Orientierung und Einblicke in die soziale Arbeit bieten. Anke Müller, Referentin der Freiwilligenagentur, schätzt, dass etwa die Hälfte der Freiwilligen nach ihrem Jahr beim ASB im sozialen Bereich bleibt.

Heidi Hinkelmann ist geblieben. Vor zwei Jahren absolvierte sie das FSJ, heute macht sie eine Ausbildung zur Erzieherin. „Durch das FSJ ist mir klar geworden, dass das Soziale mir liegt“, sagt sie. Um den Behinderten, den sie in ihrem Jahr beim ASB betreute, kümmert sich die heute 25-Jährige immer noch – ehrenamtlich in ihrer Freizeit.