DONAUSTADION / Der Arbeiter-Samariter-Bund begleitet die "Spatzen" durch alle Ligen
 

Die Mitfieberer mit Notfallkoffer


Sanitäter sorgen für Fans und Spieler - Von der Natur des verletzten Fußballprofis

 
Beim letzten Kick sind zwei Sanitäter wegen zu eindeutigen Mitfieberns vom Platz gestellt worden - erstmals in deren langjähriger Einsatzzeit im Donaustadion. Das hätte auch für den beleidigten Linienrichter böse enden können: Der ASB hat bei Fußballspielen schon Leben gerettet.
 

JAKOB RESCH
 
Wenn Du am Boden bist, dann ist für Dich bestimmt ein Samariter da - zumindest im Donaustadion. FOTO: SCHULZ/ARCHIV
 
Mang, Ullrich, Merath, Güntner, Bosch. In dieser Aufstellung trat der ASB beim Spiel am 30. April im Donaustadion an und verteilte sich im 2-3-System an zwei Spielfeldecken. Die Positionen: Rettungssanitäter, Rettungsassistent, Rettungshelfer.
 
Die Leute vom Ulmer Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) sorgen seit jeherfür den Hilfsdienst bei Fußballspielen des SSV 46. Sie kümmern sichum Spieler und Publikum gleichermaßen, "bis hin zum Wurstverkäufer, der sich in den Finger schneidet", sagt Stefan Merath, der seit sieben Saisons am Spielfeldrand steht. Der wievielte Einsatz das nun beim Spiel gegen die Stuttgarter Kickers war, zählt er schon nicht mehr. Aber eines ist klar: Anders als die meisten "Spatzen" auf dem Platz bleiben ASBler dabei, von der dritten in die erste über die zweite in die fünfte Liga und zurück - wer weiß?
 
SSV und ASB - "wir sind ein gut eingespieltes Team", sagt Cordula Mang, die praktisch seit Beginn ihrer ehrenamtlichen Sanitäter-Laufbahn im Stadion im Einsatz ist, seit 1982. Fußballerische Vorgeschichte: Vier Mädchen zu Hause und kein Sohn, war sie von klein auf mit dem Vater im Stadion und "immer schon SSV-Fan", wie sie beispielhaft für ihre Kollegen sagt. "Natürlich sind wir fußballbegeistert, sonst würden wir im Winter hier nicht bei 10 Grad draußen stehen." Oder extra Urlaub für Spiele unter der Woche nehmen. Oder überhaupt für läppische 2.50 Euro Aufwandsentschädigung auf die Stunde zum Dienst antreten.
 
Brasilianerinnen im Kabuff
 
In Liga vier haben sie es derzeit relativ ruhig, verglichen mit den Profiligen eins und zwei. Da waren bis zu 25 ASBler im Stadionrund, wofür die Ulmer Verstärkung aus Merklingen und Langenau holten. Gleichzeitig hatten sie für Mannschaftsbesprechungen von Trainer Rangnick ihren Raum räumen müssen und logieren seither in einem Kabuff unter der Haupttribüne, das sie sich in den Jubeltagen von Liga eins ab und an gar mit irgend welchen brasilianischen Go-go-Girls zu teilen hatten.
 
Es gab legendäre Spiele wie das zum Aufstieg in die erste Liga gegen Greuther Fürth - Statistik damals: 23 Notfälle unter den Fans. Spätestens und ausgerechnet in der ersten Liga war dann klar: "Du bist nicht mehr zum Fußballgucken gekommen", erinnert sich Merath. Hätten sie geguckt, oweh. "Einige Leute haben uns das Leben zu verdanken", denkt er nur an Schädelfrakturen, Schlaganfälle, Herzinfarkte zurück. 73 Notfälle und 21 Transporte war die Bilanz der Ulmer Erstliga-Saison. Nebenbei hatten die Sanitäter manchmal ganz schön Bammel angesichts gesteckt voller Fan-Blocks.
 
So viel zum Publikum. Die andere Seite ist der Einsatz für gut bezahlte, aber verletzte Fußballprofis, der manche Erkenntnis reifen ließ. Merath: "Im Krankenwagen sind die ganz normal." Auch wenn man nur Bahnhof versteht, wie im Falle einer chinesischen Spielerin - Nationalspiele wie die der deutschen Fußballdamen begleitet der ASB im Donaustadion nämlich auch.
 
"Die Gastmannschaften sind mehr auf uns angewiesen", erzählt Cordula Mang dazu, "die gegnerischen Spieler kommen auf uns zu." Das zeigte sich bei einem Vorbereitungsspiel des SSV 46 für die Verbandsliga und einem Sammeltransport für gleich drei Gastspieler. Kein Problem für die Ulmer ASBler: "Ein Sani soll sich neutral verhalten."
 
Trotzdem wird jetzt nach so viel Ulmer Abstieg wieder mitgefiebert, und heute Nachmittag geht es gegen Freiberg. "Wir machen auch den Aufstieg mit." Selbst wenn das noch ein Jahr und 17 weitere Heimspiel-Einsätze dauern sollte.
 

Erscheinungsdatum: Samstag 17.05.2003