Mit den Jugendämtern klappt es gut


Ulm – In Zeiten knapper Kassen haben es Jugendliche aus schwierigen Verhältnissen oder mit Problemen besonders schwer. Für manche Maßnahmen ist kein Geld mehr da. Das spüren auch die Mitarbeiter der Jugendhilfe des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB). Dennoch lobt Alexander Gebauer, Leiter der Jugendhilfe, in einem Gespräch zum zehnjährigen Bestehen, die Zusammenarbeit mit den Jugendämtern – und hofft darauf, dass sie so gut bleibt.
 
Von unserer Mitarbeiterin Angela Fehr
 
Die Jugendhilfe betreibt eine ambulante Jugend- und Familienhilfe und eine Heilpä-dagogische Tagesstätte. Wie sieht die Arbeit dort aus?
 
Im ambulanten Bereich haben wir zwei Schwerpunkte. Das sind die sozialpädagogi-sche Erziehungshilfe und die Erziehungsbeistandschaft. Die Erziehungshilfe setzt sehr früh ein, man arbeitet mit den Eltern zusammen, unterstützt sie. In der Erziehungs-beistandschaft betreuen die Mitarbeiter Jugendliche ab etwa 14 Jahren gezielt, zum Beispiel im Hinblick auf einen Schulabschluss. Die Hilfe umfasst Gesprächsangebote und Maßnahmen. Wir besuchen beispielsweise mit Jugendlichen Kletterwände. Dort lernen sie, dass man nur dann Erfolg hat, wenn man sich gegenseitig absichert. Wenn einer ständig die Schule geschwänzt hat, gehen wir mit zur Schule und verein-bart mit dem Lehrer Rückmeldungen. Manchmal müssen wir zu einem Jugendlichen sagen, entweder Du ziehst mit oder die Maßnahme ist beendet. Wenn er Vertrauen aufgebaut hat wirkt das oft. In der Tagesstätte betreuen wir Kinder zwischen acht und zwölf Jahre, die unterschiedlich auffällig geworden sind, nach Schulschluss bis 17 Uhr.
 
Setzen die Jugendlichen einen Erfolg wie jenen in der Kletterwand über-haupt im Alltag um?
Natürlich gelingt das nicht immer, aber wir erleben oft, dass wir dadurch Zugang zu ihnen bekommen, dass das ihren Mut stärkt.
 
Wer schickt Eltern und Kinder zu Ihnen?
Sie kommen über die Jugendämter zu uns. Es sind zum Beispiel alleinerziehende Mütter. Da ist etwa eine Mutter mit drei Kindern, die in einem Zimmer wohnt. Da gibt es natürlich Probleme. Einen Vermieter zu finden, der an eine Mutter mit drei Kindern vermietet ist schwierig.
 
Wie alt ist ihre Klientel? Sind es mehr Buben oder Mädchen?
Das Alter ist gemischt, ältere Kinder und Jugendliche machen aber einen relativ gro-ßen Teil aus. Wir betreuen die Jugendlichen in der Regel bis sie 18 sind, in Ausnah-mefällen auch darüber hinaus. Tendenziell ist unsere Klientel eher männlich. Das ist ein bekanntes Problem. Die Kinder und Jugendlichen kommen aus Ulm, der Stadt und dem Landkreis Neu-Ulm, vereinzelt auch aus Heidenheim, Biberach und dem Alb-Donau-Kreis.
 
Wieviel Personal haben Sie?
Wir haben 20 Mitarbeiter, einschließlich der Praktikanten, Auszubildenden und Büro-angestellten. Es sind Sozialarbeiter, aber auch zwei Erzieher.
 
Macht sich die wirtschaftliche Lage bemerkbar? Mussten Sie etwa Personal abbauen?
Wir konnten die Mitarbeiterzahl leicht ausbauen. Die wirtschaftliche Lage macht sich dennoch bemerkbar, etwa in unserem Schwerpunktbereich, bei den ambulanten Hil-fen. Man muss genau überlegen, welche Maßnahme möglich ist. Ich bin aber dank-bar, dass die Zusammenarbeit mit den Jugendämtern bislang gut funktioniert.
 
Wie lautet ihr Fazit der vergangenen zehn Jahre, und was erhoffen Sie sich für die Zukunft?
Erfreulich ist, dass die Zusammenarbeit mit den Jugendämtern immer fruchtbar war. Das ist nicht selbstverständlich. Wünschen würde ich mir eine Rückbesinnung auf soziale Werte, dass ein Betrieb auch einmal einem schwierigeren Jugendlichen einen Ausbildungsplatz gibt. Und ich hoffe, dass trotz der schwierigen finanziellen Situation die Zusammenarbeit mit den Jugendämtern aufrecht erhalten werden kann. Aber das wir schwieriger werden.